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Eine weitere Gastkritik. Nein, diesmal kein Horror. Stattdessen über "eine Geschichte von Liebe, Leid und lauter Musik", dem Debutroman von Rolling Stone-Redakteur Rob Sheffield... (Geschrieben von Wasix)

Der Kritik von Herrn Fasthuber sei Dank. Ich war sofort hingerissen. Dieses Buch musste ich einfach lesen. Weil bei dessen Geschichte in mir sofort diese Erinnerungen aufkamen. Einerseits aufgrund des musikalischen Aspekts, den eigens für wichtige Momente und Menschen aufgenommenen Mix-Tapes. In diesem Zusammenhang das wichtigste, beste und überhaupt allertollste Buch über Musik: Nick Hornbys High Fidelity. Andererseits aber auch aufgrund der herzzerreißenden Liebesgeschichte, der einhergehende Tragödie. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich in Teenagerjahren erstmals Love Story zu Augen bekam. Für mich immer noch der traurigste aller Filme, der einzige, der mich bislang massiv zu Tränen gerührt hat. Nun ja, ich war jung, ich war unschuldig und ich war beim erstmaligen Sehen allein in meinen vier Wänden. Wenn allerdings beim Zweitversuch dasselbe rauskommt, dann muss schon etwas dran sein. Heutzutage ist soetwas natürlich unvorstellbar. Nicht bei einem erwachsenen, durch das harte Leben gestählten Mann. Oder etwa doch?

Love is a Mix Tape: Rob und Renee.Love is a Mix Tape als eine Mischung aus Love Story und High Fidelity zu beschreiben, mag aus der Luft gegriffen sein. Sind es doch bloß die offensichtlichen, bei einer Buchkritik vernommenen Eckdaten, die Überschneidungen und Ähnlichkeiten zu genannten Büchern/Filmen zulassen. Könnte man jedenfalls meinen. Nur dass man sich nach den etwa 250 Seiten in seinem ersten Eindruck bestätigt fühlt. Man beachte diese bedrückenden, fast schon tieftraurigen Zeilen, in denen man zum Mitleiden vergattert wird, die einem durchaus salzige Körperflüssigkeit in die Augen zaubern können. Was nicht wirklich überrascht, womit man bereits nach dem Durchlesen des Buchrückens rechnen musste: "Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen, sondern diese Kassette gehört, die ihm seine Frau Renee hinterlassen hat. Es ist ein letztes Date, nur er, Renee und ein paar Songs. In "Love is a Mix Tape" erzählt Rob Sheffield [...] entlang an 15 Musikkassetten die Geschichte seiner großen Liebe zu Renee, einer wunderbaren Frau, die viel zu früh gestorben ist." Nun ja, ich komme beim Durchzählen zwar auf 22 Kapitel mit ebenso vielen Kassetten. Nichtsdestotrotz: Schluchz.

Nun liegt der eigentliche Reiz dieses Buches jedoch nicht an der Herz-Schmerz-Geschichte, sondern vielmehr an den dargebrachten Anekdoten zur Musik der Achtziger und Neunziger Jahre. Love is a Mix Tape ist vollgepackt mit wunderbar sentimentalen und ebenso witzigen Verweisen auf die musikalischen Errungenschaften dieser Dekaden. Das beginnt mit den abgedruckten Kassettenhüllen, die bei jedem Kapitel als Richtungsweiser dienen. Jene Mix-Tapes, anhand derer die Geschichte von Rob und Renee erzählt wird, die gleichzeitig aber auch im Stande sind den Leser selbst in dessen Vergangenheit zurück zu beamen. Insofern man damals aufgewachsen ist, wenigstens diese Zeit und ihren musikalischen Output ansatzweise durchstreift hat. Und so stößt man auf Klassiker, denen man einst selbst verfallen ist. Hinzu kommen als charmante Draufgabe noch einige der peinlichsten Lieblingslieder längst vergangener Tage. Rückblickend betrachtet eigentlich unverständlich. Oder doch nicht? Wie auch immer, es wird Zeit den alten Kassettenrekorder aus dem Abstellraum zu bergen, mal wieder jemandem ein gutes, altes Mix-Tape aufzunehmen.

Love is a Mix Tape - Rob Sheffield Love is a Mix Tape - Rob Sheffield (US-Cover)Mehr Infos:
www.wikipedia.org/Rob_Sheffield
www.randomhouse.com/crown/mixtape/
www.myspace.com/loveisamixtapethebook
www.readthehook.com